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Nr. 4 / Dezember 2020

Vertrauen ist gut, Kontrolle nicht möglich? Führen aus der Ferne

Interview mit Marlen Cosmar, Referentin der Institutsleitung am Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) der DGUV

1. Wie hält man sein Team über die Entfernung hinweg zusammen?

Das Wichtigste ist der regelmäßige Austausch. Dieser kann telefonisch, oder noch besser, über Videokonferenz aufrechterhalten werden. Wenn es die Möglichkeit gibt, sich zumindest ab und zu vor Ort am Arbeitsort zu treffen, sollte das auch genutzt werden. Auch wenn dabei nur ein Teil des Teams zusammenkommt, sind solche Treffen vor Ort sinnvoll, denn hier können eher informelle Informationen ausgetauscht werden.

2. In welchem Rhythmus sollten virtuelle Teambesprechungen mindestens stattfinden?

Grundsätzlich sollte versucht werden, beim Übergang zu mehr virtueller Arbeit die Anzahl der Besprechungen auf gleichem Niveau zu halten. Wenn es vorher tägliche Absprachen gab, sollte das auch weiterhin möglichst so sein.

3. Wie sollte die Führungskraft mit unterschiedlichen Arbeitstypen umgehen? Stichworte: Typ A trennt Arbeit und Privates strikt, bei Typ B vermischt sich beides, etwa weil Kinder zu betreuen sind.

Solange Termine eingehalten und Arbeitsaufträge zuverlässig bearbeitet werden, ist es für die Führungskraft im Grunde egal, wie sich die oder der Beschäftigte die Arbeit strukturiert. Wichtig ist, dass die gesetzlichen Ruhezeiten eingehalten werden, also elf Stunden Pause am Stück nach Ende des Arbeitstages und grundsätzlich nicht mehr als acht Stunden Arbeit pro Tag. Im Rahmen der Fürsorgepflicht sollten Führungskräfte das Gespräch mit Beschäftigten suchen, die offensichtlich Probleme mit der Work- Life-Balance im Homeoffice haben, also zum Beispiel sehr gestresst wirken, Arbeitsaufträge nicht pünktlich abliefern oder sehr spät oder sehr früh E-Mails schreiben.

4. Vertrauen ist gut, Kontrolle nicht möglich? Wie wichtig ist Kontrolle beim Homeoffice und wie sollte die Führungskraft sie ausüben?

Das hängt sehr stark von den individuellen Beschäftigten ab. Homeoffice erfordert mehr Selbstorganisation als die Arbeit am Arbeitsort. Da gibt es zwischen den Beschäftigten unterschiedlich ausgeprägte Fähigkeiten. Aufmerksame Führungskräfte wissen in der Regel, wer etwas intensivere Absprachen benötigt und wer eher auch über längere Zeit selbstständig arbeitet und seine Ziele erreicht. Entsprechend können Ziele enger oder weiter gesteckt werden und die Erreichung wird dann ja auch entsprechend häufiger oder seltener kontrolliert. Diese Form der Führung macht es dann auch unnötig, z. B. Mausklicks im Homeoffice zählen zu lassen, und ist
deutlich motivierender.

5. Welche elektronischen Hilfsmittel sollte man zur Verfügung haben, z. B. Chatfunktion, elektronisches „Schwarzes Brett“, Intranet, …

Das Wichtigste ist ein gut funktionierender Internetzugang, ein PC oder Laptop, in jedem Fall ein ausreichend großer Bildschirm, eine externe Tastatur und eine Maus. Eine sehr brauchbare Zusammenstellung und auch Hinweise zur ergonomischen Gestaltung bietet die Fachbereich AKTUELL (402) „Arbeiten im Homeoffice“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Interview: Klaudia Gottheit

Arbeiten im Homeoffice
https://publikationen.dguv.de/regelwerk/publikationen-
nach-fachbereich/verwaltung/innenraumklima/
3932/fbvw-502-sars-cov-2-empfehlungen-
zum-lueftungsverhalten-an-innenraumarbeitsplaetzen?number=SW21576

Ausstattung eines Bildschirmarbeitsplatzes im Homeoffice und Unterschied zwischen Telearbeitsplatz und mobilem Arbeitsplatz
www.dguv.de/de/mediencenter/pm/pressemitteilung_385472.jsp

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