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Nr. 1 / April 2021

Interview: Was leistet Betriebliches Gesundheitsmanagement im Wandel?

Drei Fragen an Dr. Marlies Jöllenbeck, Universität Lübeck

1. Welche Handlungsfelder sind bei der Gestaltung mobiler Arbeit vorrangig adressiert?

Mobile Arbeit beeinflusst vor allem die Arbeitsorganisation wie auch das soziale Miteinander. Für Unternehmen ist es wichtig, diese Handlungsfelder gezielt und transparent zu gestalten, damit mobile Arbeit gut gelingt. Mobile Arbeitsformen flexibilisieren Arbeitsprozesse und die Form der Zusammenarbeit in Teams. Es braucht eine gute Balance zwischen verbindlichen, klaren Absprachen und einer Vertrauenskultur. Arbeits- und Kommunikationsprozesse müssen womöglich neu ausgehandelt werden. Das Unternehmen kann diese Prozesse und Strukturen entscheidend unterstützen, beispielsweise über Dienstvereinbarungen und flankierende BGM-Maßnahmen. Zudem sollten die Beschäftigten von Beginn an in die gesundheitsgerechte Gestaltung der mobilen Arbeit einbezogen werden. Dies erhöht maßgeblich die Passgenauigkeit von Maßnahmen wie auch deren Akzeptanz. 

2. Welche Chancen bietet ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) im Rahmen von Veränderungsprozessen?

Gesunde Mitarbeitende sind die größte Ressource eines Unternehmens, gerade auch in Zeiten des Wandels. Dabei sind Gesundheit und Sicherheit eine Querschnittsaufgabe vieler innerbetrieblicher Akteure, sei es die Fachkraft für Arbeitssicherheit, der betriebsärztliche Dienst, die Personalentwicklung oder die Führungskräfte. Es braucht eine systematische Koordination und eine ressourcenorientierte Bündelung dieser verschiedenen Akteure und Prozesse. Das kann ein BGM leisten. 

Veränderungsprozesse in Unternehmen können die Gesundheit von Beschäftigten positiv wie auch negativ beeinflussen. Mobile Arbeit etwa kann die Arbeitszufriedenheit und Lebensqualität steigern, aber auch individuellen Stress erzeugen, beispielsweise durch Entgrenzung von Beruf und Privatleben. Ein Gesundheitsmanagement erfasst diese Einflüsse über eine regelmäßige Erhebung und Auswertung von Gesundheitsdaten, indem zum Beispiel Mitarbeitende anonym befragt werden. Auch die Gefährdungsbeurteilung bietet Anhaltspunkte zur Erfassung der Mitarbeitergesundheit. Ein Gesundheitsmanagement ist aus meiner Sicht mehr denn je eine Voraussetzung, damit Unternehmen Change-Prozesse erfolgreich umsetzen können.

3. Angenommen, ein Unternehmen lässt mobil arbeiten: Was kann ein BGM für die Führungskräfte leisten?

Die Einführung und Umsetzung mobiler Arbeit ist auch für viele Führungskräfte eine Herausforderung. Es braucht eine Reflexion des eigenen Führungsverständnisses, beispielsweise bezogen auf Kontaktgestaltung oder auch bei der Bewertung von Arbeitsleistungen der Mitarbeitenden.

Möglicherweise muss die Führungskraft ihr Führungsverhalten anpassen oder Kommunikations- und Abstimmungsprozesse im Team ändern, um mobile Arbeit gesund und effektiv zu gestalten. Studienergebnisse zeigen, dass eine gesundheitsgerechte Führung dann gelingt, wenn Führungskräfte auch für die eigene Gesundheit gut sorgen, etwa indem sie regelmäßige Erholungsphasen einplanen. 

Das betriebliche Gesundheitsmanagement kann Führungskräfte systematisch unterstützen, Kompetenzen in der gesunden Führung aufzubauen. Ein Handlungsfeld des BGMs ist beispielsweise die Personalentwicklung. Hier können Führungskräfte Schulungsmaßnahmen oder Einzelcoachings erhalten, um mobile Arbeit für ihre Mitarbeitenden und für sich selbst gesund zu gestalten. Führungskräfte, deren Unternehmen keine eigene Personalentwicklung haben, sollten die Möglichkeit erhalten, externe Angebote zu nutzen. Für Organisationen ist dies eine sehr gute Investition, da Führungskräfte entscheidend zur Gesundheit im Unternehmen beitragen.

Interview: Klaudia Gottheit

Foto: Dr. Marlies Jöllenbeck, Quelle: privat

Dr. Marlies Jöllenbeck ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmedizin, Prävention und Betriebliches Gesundheitsmanagement an der Universität Lübeck.

Quelle Headerbild: Brian A Jackson – Shutterstock.com

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