Auf einer Außenfensterbank liegen drei Metallplatten, so genannte Sohlbänke, in den Farben Alu, Weiß und Schwarz.

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sicher&gesund Ausgabe Juni 2020

Verbrennungsgefahr durch aufgeheizte Türschwellen und Außensohlbänke

Wenn ein kleines Kind auf etwas Heißes tritt oder sich daraufsetzt, sind die möglichen Folgen dramatisch: Verbrannte Fußsohlen, starke Schmerzen und jahrelange Behandlungen, zum Beispiel Hauttransplantationen, drohen. Die Gefährdung setzt bereits ab circa 43 bis 44 Grad Celsius ein.

Der Sommer 2018 war heiß. Auf die verzinkte Türschwelle einer Hamburger Kindertageseinrichtung hatte schon seit Stunden die Sonne gebrannt, als eine Zweijährige sich daraufsetzte. Das Metall hatte sich zu diesem Zeitpunkt auf über 45 Grad Celsius aufgeheizt. Das Mädchen erlitt Verbrennungen zweiten Grades an Händen und Beinen sowie an der Hüfte. Das verbrannte Gewebe musste operativ entfernt werden.
Britta Muß, Aufsichtsperson bei der Unfallkasse Nord, hatte diesen Unfall untersucht, da die Unfallkasse Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung für Kinder in Tageseinrichtungen in Hamburg und Schleswig-Holstein ist. Das Problem der Aufheizung besteht nicht nur bei Türschwellen. Zurzeit werden an vielen Neubauten mit Wärmeverbundfassaden Außenfensterbänke, so genannte Sohlbänke, aus Metall eingebaut.

Weiße Farbe heizt weniger auf

Der schwere Unfall hatte Britta Muß keine Ruhe gelassen. Sie startete ein Experiment. Auf ihrer heimischen Außenfensterbank, die nach Süd-Osten geht, platzierte sie an einem heißen Sommertag Sohlbank-Abschnitte in Weiß, Alu natur und Anthrazit – die letzten zwei Farben sind bei Neubauten zurzeit meistgewählt. Das Ergebnis nach zwei Stunden: Mit 52,3 Grad Celsius hatte sich das anthrazitfarbene Blech am stärksten aufgeheizt. Alu natur brachte es auf 46,2 Grad, und mit „nur“ 41,8 Grad Celsius war Alu weiß geradezu kühl und lag unter dem für Kinder kritischen Wert von 43 Grad Celsius.
Britta Muß rät Bauplanerinnen und -planern von Kindertageseinrichtungen deshalb: „Außensohlbänke und Türschwellen, die nach Süden gehen, sollten nicht aus Metall gefertigt sein. Wenn es nicht anders geht, weil zum Beispiel die Planenden eigene Vorstellungen von der Optik haben, sollten die Sohlbänke und Türschwellen zumindest weiß gestrichen sein.“

Empfehlung für Bauplanende

Verzichten Sie bei Fenstern und Türen, die nach Süden gehen, möglichst auf Außenfensterbänke und Türschwellen aus Metall.

  • Ist Metall als Baustoff unumgänglich oder schon vorhanden, sollte es weiß gestrichen sein.
  • Ein schneller Hitzeschutz sind Abdeckungen, zum Beispiel Malerfließ, eine MDF-Platte, Moosgummi, Holzleisten oder ein Streifen Kunstrasen.
  • Auch der Schatten hoher, dicht belaubter Bäume schützt vor Aufheizung.

Dr. Susanne Woelk, Aktion Das Sichere Haus (DSH)