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Nr. 2 / März 2026

Krankenhäuser: Herausforderndem Verhalten sicher begegnen

Deeskalationstrainings sind Bestandteil eines Gesamtpakets, das das Städtische Krankenhaus Kiel (SKK) für ein sicheres, wertschätzendes Arbeitsumfeld seiner Beschäftigten geschnürt hat. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement, die Personalentwicklung, der Betriebsrat und weitere Akteur:innen treiben die Entwicklung voran. 

Motiv mit Pflegekraft Nevenka Bargheer zur Kampagne #GewaltAngehen des Städtischen Krankenhauses Kiel
Motiv: Städtisches Krankenhaus Kiel

„Wer unsere Pflegekräfte angreift, greift unsere Werte an!“ Mit dieser unmissverständlichen Botschaft positioniert sich das Städtische Krankenhaus Kiel (SKK) gegen aggressives Verhalten gegenüber dem Krankenhauspersonal. Das Plakat mit der klaren Ansage, vorgebracht von „echten“ Beschäftigten, ist Teil einer Kampagne. Aufgelegt wurde sie 2025 vom Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) des SKK, als weitere Akteur:innen sind der Betriebsrat, die Betriebsärztin, eine Bereichsleitung Pflege, die Personalentwicklung und das Deeskalationstrainer-Team dabei. Die Plakatmotive begegnen einem auf jeder Etage, gut sichtbar positioniert in Warte- und Empfangsbereichen oder bei den Fahrstühlen. 

Herausforderndes Verhalten von Patient:innen und Besucher:innen gegenüber dem Klinikpersonal beobachte man vermehrt seit dem Ende der Corona-Pandemie, berichtet Rinke Pahl, Leiterin des BGM und Initiatorin der Kampagne. Meldungen von den Stationen, Gefährdungsanzeigen, Angaben in der Gefährdungsbeurteilung und eine Befragung nach den Gewaltpotentialen in den einzelnen Bereichen signalisierten Handlungsbedarf. 

Pflegekraft in Rosa wirbt gegen Gewalt in der Pflege.
Quelle: Städtisches Krankenhaus Kiel

Was enthält das Paket für wertschätzenden Umgang im SKK?

Auf Initiative des BGM-Teams schnürte das SKK Anfang 2025 ein Gesamtpaket für einen wertschätzenden Umgang im Krankenhaus. Das Ziel: Gewalt- und Aggressionsvorfälle im Haus reduzieren, um ein sicheres Arbeitsumfeld für die Beschäftigten zu schaffen. Damit erfüllt das SKK eine Kernanforderung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung bei der Arbeit: die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten zu schützen und zu fördern. Das Gesamtpaket umfasst 
 

  • die digitale Ermittlung der Gewaltpotenziale in den Bereichen
  • die Entwicklung von Handlungsleitlinien für die Stationen
  • Deeskalationstrainings für Beschäftigte
  • ein Nachsorgekonzept
  • die oben erwähnte Plakatkampagne

Das Paket wird 2026 weiter ausgebaut, zurzeit befindet sich ein Meldeportal für Gewaltvorfälle im Intranet im Aufbau. 

Mit Deeskalationstrainings Mitarbeitende stärken

Fünf Personen des Deeskalationstrainerteams am Städtischen Krankenhaus Kiel.

Bei einem Termin im Dezember 2025 stellen Britta Graf und Jörg Hinderlich neun Kolleg:innen das Deeskalationstraining vor. Die beiden arbeiten auf der geriatrischen Station und sind ausgebildete Deeskalationstrainer:innen der ersten Stunde. „Verbale Deeskalation hat Priorität“, erklärt Britta Graf. 

Interessierte Beschäftigte erlernen in einer zweitägigen Schulung, wie sie mit hoch angespannten Menschen deeskalierend kommunizieren. „Es geht darum, Interesse für das Gegenüber aufzubringen, eine Beziehung aufzubauen“, macht Jörg Hinderlich den Zuhörer:innen deutlich. Erst am Ende des mehrstufigen Prozesses steht der Einsatz von Abwehr- und Lösetechniken.

Alle Teilnehmenden kennen stressbelastete Begegnungen mit Patient:innen und Besucher:innen aus ihrer Arbeit. Sindy Heyder, Teamleitung Pflege auf der Station für Gastrologie, Diabetologie und Rheumatologie berichtet: „In meiner Leitungsposition bin ich öfter mit herausforderndem Verhalten von Patientinnen und Patienten konfrontiert.“ Ihre Kollegin Merle Höhn, Praxisanleiterin auf derselben Station, ergänzt: „Ich arbeite mit Azubis, die sich im Kontakt mit Patienten mit herausforderndem Verhalten unwohl fühlen. Wir sind ein multikulturelles Team, manchmal fallen rassistische Äußerungen. In solchen Situationen muss ich als dritte Person dazwischengehen.“ Sindy Heyder und Merle Höhn wünschen sich Deeskalationstrainings für alle Mitarbeitenden in ihrem Team. Auch für ihren Kollegen Thomas Müller aus der Zentralen Notaufnahmen (ZNA) sollten Deeskalationsstrategien bei den Beschäftigten verankert sein. 

Schulung auf Augenhöhe: Die Kollegin als Multiplikatorin

Bei den Mitarbeiterschulungen setzt das SKK auf Multiplikator:innen wie Britta Graf und Jörg Hinderlich: erfahrene Pflegefachkräfte, die sich zu Deeskalationstrainer:innen nach ProDeMa, einem auf Kommunikation spezialisierten Institut, weiterbilden. Inzwischen verfügt das SKK über sechs Trainer:innen. Für den Einsatz gibt es ein Trainerkonzept mit regelmäßigen Treffen. Hier ist Zeit für den Austausch, hier werden die Mitarbeiterschulungen geplant. Damit die Teilnehmenden das Richtige für ihren Stationsalltag lernen, achten die Trainer:innen darauf, die vorab ermittelten Bedarfe durch Befragungen nach Gewaltpotenzialen auf den Stationen in der Schulung abzudecken. Nach und nach sollen alle Mitarbeitenden auf den Stationen in deeskalierender Kommunikation geschult sein. Für neue Kolleg:innen sollen die Schulungen Bestandteil des Onboardings werden.

Eine maßgeschneiderte Plakatkampagne

Pflegefachkräfte und Deeskalationstrainer Britta Graf und Jörg Hinderlich vor einem Plakat mit ihren Porträts.

Als Rinke Pahl von der Klinikleitung das „Go“ für die Plakatkampagne erhalten und ihre Idee im Kreis der Leitungen und Kolleg:innen vorgestellt hatte, stand für Britta Graf und Jörg Hinderlich sofort fest „Wir machen mit“. So standen die beiden Modell für die ersten Plakatmotive. Aufmerksamen Betrachter:innen wird nicht entgangen sein, dass das SKK das Plakatlayout der DGUV-Kampagne „GewaltAngehen“ verwendet. Um den Spitzenverband ins Boot zu holen, nutzte Frau Pahl den kurzen Draht zu UKN-Aufsichtsperson Kerstin Teichert-Möller. Diese fragte bei der DGUV an, wenig später lag das Ok vor. Für die UK Nord und die DGUV ist es ein Novum: Das Städtische Krankenhaus Kiel hat mit tatkräftiger Unterstützung der Unternehmenskommunikation als erstes Unternehmen die Kampagne #GewaltAngehen mit eigenen Protagonist:innen und eigenen, auf’s Haus zugeschnittenen Zitaten umgesetzt.

Klaudia Gottheit, UK Nord

 

Broschüren

Hinweis: Die Broschüren können Sie kostenfrei bei uns bestellen oder herunterladen.

Seminare der UK Nord
Wenn etwas passiert ist – nach Übergriffen

Kontakt

Rinke Pahl
Betriebliches Gesundheitsmanagement
Städtisches Krankenhaus Kiel GmbH

Tel.: +49 (0)431-1697-4138 
rinke.pahl@krankenhaus-kiel.de
https://www.krankenhaus-kiel.de/

Links und Tipps

Sie möchten die Plakatkampagne #GewaltAngehen mit Protagonist:innen und Botschaften des eignen Unternehmens auflegen? Dann wenden Sie sich bitte an die UK Nord-Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit unter presse@spam protectuk-nord.de.

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